Serie Denkfehler #7: Frequenz-Illusion

„Was ersteinmal Deine Aufmerksamkeit erregt, das siehst du plötzlich überall“

Wir neigen dazu, Dinge plötzlich überall zu sehen, weil jemand uns darauf aufmerksam gemacht hat. Unsere Aufmerksamkeit ist geweckt für etwas, was wir bis dahin als irrelevant ignoriert haben. So funktioniert ja auch Werbung. So funktioniert aber auch alles andere – Politische Diskurse, Beziehungen, Business. Lass Dich davon nicht fehlleiten.

Vorzeichen – die sehen manchmal auch sich selbst erfüllende Propheten 🙂
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Moderierende Führung Teil 3: Die Bugwelle der Kompromisse in größeren Meetings managen

Führen ist neben vielen anderen Aspekten zunehmend auch Moderation. Moderation des Teams, der Schnittstellen, des Wegs hin zu mehr Selbstorganisation, der politischen Situation im Unternehmen, etc. In einem Tagesworkshop mit überschaubarer Teilnehmerzahl und homogenem Wissensstand ist das recht simpel. Hier ein paar Gedanken, worauf Du achten musst, wenn es mal 50+ völlig heterogene Teilnehmer sind, mit vielen Zielkonflikten, und Du nur wenig Zeit hast (und für den Thrill Factor: was mit #Trump)

Die Bugwelle der Kompromisse türmt sich immer höher, bis es irgendwann klatscht.

Wenn Du mit vielen anderen im Raum sitzt und mehrere zusammenhängende Themen besprichst, dann passiert oft etwas, was ich die Bugwelle der Kompromisse nenne. Ich schildere es hier mal sehr schematisch. Beim ersten Thema gehen alle mit. Die Stimmung ist prima. Haken dran, schon was geschafft.

Auf zum zweiten Punkt. Der hängt mit dem ersten zusammen. Ein paar Leute fragen Dinge, die eigentlich im ersten Block geklärt schienen. Wir wollen doch das Fass nicht wieder aufmachen, oder? Also weiter. Man beschließt nach einigem Hin und Her ein Ergebnis für den zweiten Block, wenn auch mit „Follow-Ups“ bzw. „unter Vorbehalt“ (nehmen wir nochmal mit)…

Der dritte Punkt ist direkt abhängig vom Ergebnis des zweiten Themas. Die Startdiskussion läuft schon richtig holprig. Mist, du willst doch 5 Dinge ins Ziel bringen. Und jetzt fahren sie sich schon in der Mitte fest. Thema 3 wird vertagt. Ihr beschließt ein paar Kleinigkeiten, nehmt Fragen, Bedenken und Wünsche auf. Aber die wusste jeder vorher schon.

Nach der Pause wirds bestimmt besser.

15 min Pause

In der Pause mailen dir 2 Teilnehmer getrennt voneinander ein paar Excels und PPTs zu mit Gegenvorschlägen und Zahlen, Daten, Fakten (ZDF bei uns genannt). Ein weiterer TN mailt seine Beschwerden gleich an alle im Termin + Betriebsrat oder sonstwen…

Mal dir den Rest selbst aus. Der Workshop ist versumpft.

Was machst du nächstes Mal anders?

  • 50 Leute im Raum, wieso so viele? Vielleicht sind es ja eher 5 Arbeitsgruppen a 10 Leute? Und im großen Plenum werden die Gruppenergebnisse lediglich präsentiert, bewertet und angereichert?
  • Du brauchst „workshopbare“ Fragen. Workshopbar heißt, nach der Session sind sie beantwortet. Oder verworfen. Oder durch eine neue ersetzt. Aber auf keinen Fall sollte die Beantwortung 10 neue Fragen aufwerfen. In dem Fall muss dieser Fragenfächer im Vorfeld durch kluge Köpfe aufgemacht werden und der Workshop dann die herausgeschälten Detailfragen bearbeiten.
  • Setze auf Zahlen statt Prosa. Mach bei so vielen Teilnehmern nicht den Fehler, die Klebezettelindustrie reich zu machen. Warum nicht 30 Fachfragen voten lassen wo schon mal so viele schlaue Leute beisammen sind? Warum sollte Prosagekrickel auf Kärtchen nützlicher oder valider sein als Votings? Es sind dieselben Leute. Trotzdem setzen viele Moderatoren viel zu sehr auf Kärtchen an Pinwänden.
  • Betreibe KVP auch im Miktobereich. Was hält dich davon ab, an einem Workshoptag 2-3 inne zu halten und zu fragen: sind wir on track? (LG @Lisa_Tiemann 😉 brauchts was anderes heute? Wollen wir hier einen Schnitt machen? Bin ich euch zu schnell? Seid ihr euch selbst zu dröge? Etc.
  • „Was zum Gegentreten“, Befürworter gewaltfreier Kommunikation würden andere Wörter wählen, aber ich mag den Begriff. Manchmal lohnt es sich gerade bei sehr großen Gruppen, nicht das Spiel zu spielen, dass auch Prof. Farnsworth so sinnlos findet („Yeah, let’s all ask each other!). Also, konfrontieren nicht 50 Leute mit dem Vorhaben: Bitte erarbeitet jetzt einen Idealprozess auf der grünen Wiese. Lass stattdessen schon Vorschläge als Optionen im Vorfeld vorbereiten. Nutze die versammelte Intelligenz im WS besser dafür, mehr aus dem Vorschlag machen.
  • Und der wichtigste Punkt: sei dir der Bugwelle der mitgeschleppt Kompromisse bewusst. Gerade bei eigentlich gut gelaunten Workshops. Frag testender Weise ab und zu: wen von euch haben wir evtl. verloren, aber Du sagst es bisher nicht? Oder wenn du einen bereits getroffenen Beschluss von heute doch nochmal mit einem Veto belegen könntest, was wäre es?

Im Zweifel, lieber kurz anhalten. Die Bugwelle ebbt ab und das Boot wird ruhiger.

Wann #Purpose die #Transformation behindern kann:

Der Purpose führt ein Doppelleben. Eine Version ist nah an der klassischen MISSION. Laut z.B. Roland Berger führt Purpose zu überdurchschnittlichem #Wachstum. Außerdem laufen die GEN-Yler sonst weg. Durch seinen Purpose soll das Unternehmen den Mitarbeitern erleichtern, sich mehr mit der Firma zu identifizieren als über schnödes Gehalt. Die Mission soll Drive verleihen, Engagement entlocken, so dass die Belegschaft auch anstrengende Wege, in die Zukunft mit geht. So dass man Transformationen, bei denen es Richtung braucht, übersteht, mit allen Durststrecken des Change Wahnsinns, des Ausprobierens und Scheiterns, sowie der teils schmerzlichen Veränderungen. MISSION als MITTEL der Transformation.

Die andere Version ist eher bottom up und stellt die Frage nach dem SINN des Ganzen für die Menschheit. Z.B. OpenSAP packt Purpose in den Kontext von #NewWork. Daher der Spruch: The Purpose of Business is Purpose – im Gegensatz zur älteren Version The Purpose of Business is Business. Weg vom kalten Geldverdienen. Hin zur ökofriedlichen Koexistenz. Wenn man New Work in Bergmanns Sinne auslegt (und nicht in einer Schischiversion wie viele andere), dann ging es darum, den Menschen das arbeiten zu lassen, was er „wirklich wirklich will“. Raus aus der Knechtschaft der kapitalistischen Lohnarbeit. Hin zu Selbstbestimmtheit und Da hin wollte der Fritjof. SINN als ZIEL einer Transformation.

Hast Du Deinen Purpose oder forderst Du einen von Deiner Firma? Beides wäre ok. Aber nicht dasselbe. Und beides hat Konsequenzen.

Beide Versionen können Transformationen behindern:

MISSIONEN sind Antworten, die 1.000 Fragen auslösen. „Wir werden in 5 Jahren den Schluckauf besiegt haben“ – Cool, danke Boss, aber wie? Und was mach ich jetzt genau? Alle rennen los, wie stimmen wir uns ab? Wollen wir nicht lieber #Liebeskummer besiegen? Oder #Hühneraugen?

-> Todo: ganz viel Koordination! Iteratives Vorantasten, Ausarbeiten, Reality Checks, Kurskorrekturen, Transparenz erhöhen, Silos abbauen, Willige und Fähige finden und ranlassen…

SINN führt zumindest aus Unternehmenssicht in die #TransformationsMatschepampe. Hunderte #Maslow-Pyramiden ergeben nunmal kein schönes Gizeh, nicht mal eine Toblerone. Sondern sie bilden das Chaos der menschlichen Bestrebungen ab, welches Firmen mühsam zu orchestrieren versuchen (#Führung).

–> Todo: ganz viele Kompromisse verhandeln! Love it Change it Leave it Sticker verteilen, 100 Startups ausgründen – für jeden GeschmacksSINN was – in der Hoffnung dass dann einige davon irgendwie Geld verdienen…

Manchmal hilft für eine Transformation auch einfach Erdung, pure Lust am Bessermachen, auch ganz ohne Purpose: „Kommt, lasst uns unser Rechenzentrum abbrennen. Alles neu. Weils nicht funzt. Weil es nur besser werden kann!“

Was ich gegen Stress tue

In einem schönen kleinen Artikel beschreibt Spektrum der Wissenschaft, wie Atmung und Blickwinkel den Stresspegel direkt senken können. Ich liebe diese beiden kleinen Methoden und wende sie oft an, auch unbewusst. Die beiden Methoden und was ich sonst noch gegen Stress unternehme (außer Sport, ein Bad nehmen und Meditation oder ähnliche bekannte Dinge), möchte ich hier teilen.

1. Stresspegel senken durch weitere Perspektive: dafür weitet man den eigenen Blick auf „16:9“ Panoramaperspektive. Zum Beispiel, indem man auf den Horizont schaut. Das dimmt den Stressmodus im Gehirn direkt herunter. Wird Optischer Fluss genannt. Mehr dazu im Artikel.

2. Atmungsseitig empfiehlt die Wissenschaft sogenannte physiologische Seufzer auszustoßen. Das sind Seufzer, bei denen man doppelt ein- und dann kräftig ausatmet. Hierdurch werden das Herz und das Gehirn beruhigt. Hat was mit CO2 zu tun. Mehr dazu im Artikel.

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Moderierende Führung Teil 2: Wie die Karauschen am alten Toast… oder: manche Themen muss man erstmal kneten

Meinungsverschiedenheiten sind oft in Wirklichkeit Verständnisfehler. Man hat gar keine unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema, man redet lediglich aneinander vorbei. Vor allem scheitern Gruppen daran, Themen besprechbar zu machen. Besprechbar heißt: es ist allen klar, worum es geht .Erst dann kann jeder seine Meinung konstruktiv einbringen. Mich erinnern Gespräche dieser Art oft an den Feuerlöschteich in unserem Dorf. Und zu Jahresende – auch zum Gedenken an die vielen armen Weihnachtskarpfen – erzähle ich Euch jetzt mal in Karauschenbildern, was ein Feuerlöschteich mit Gesprächsführung und moderativer Führung zu tun hat. Nämlich alles. Lest selbst.

Ein Toast auf die gepflegte Gesprächsführung!

Viele Gespräche sind wie ein altes Toastbrot. Sie dümpeln auf der Oberfläche eines Teichs. Von unten knibbeln die Karauschen ein bisschen am Toast herum, das sind die Gesprächsteilnehmer. Ein Pulk entsteht, jeder will ans Brot. Die kleinsten Karauschen kommen nicht gleich dran, sie zucken um den Pulk herum und schauen, ob was für sie abfällt. Die richtig dicken Fische lauern weiter unten und warten ab, ob das ganze eine Falle ist. Die frechsten Karauschen rupfen sich ihre Bröckchen Wahrheit heraus und verziehen sich sofort ins Seerosen-Unterholz. Man hat seinen Punkt gemacht.

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#Nanomanagement: Was würde Elon Musk tun?

Auch ich habe ein Recht, an der Mythenbildung um Elon Musk mitzuwirken. Daher heute mein Beitrag über einen Beitrag des Manager Magazins, der zusammenfasst, was andere über Musk behauptet haben. Wird richtig spannend, versprochen! Es geht um Normalos vs. Genies und Nanomanagement vs. Micromanagement. Außerdem erfinde ich wieder neue Wörter und belege rein gar nichts mit irgendwelchen Studien. Have fun!

Ich habe einen MM Artikel gelesen, inwiefern Musk für einen großteil der Innovationen und der Effizienz-Ideen selbst verantwortlich sei. Um seine unendlichen brillanten Einfälle ins System zu kippen, reise er unermüdlch, arbeite er unermüdlich, fordere er das Maximum von seinen Mitstreitern. Vor allem fordere er, dass alle ihm in seinem Tempo folgen (können). Er betreibe kein Micro Management, so MM, sondern geradezu Nanomanagement. Damit widerspreche er allen gängigen Forderungen für gute Führung. Sein Prinzip (angeblich): „Breche jedes Problem bis auf das Naturgesetz herunter, dass dem Problem zugrunde liegt. Dann findest Du die optimalen Antworten.“ Wenn zum Beispiel Experten sagen „das geht nicht“, dann findet er zuerst heraus, warum soll das nicht gehen? Und wenn es im Rahmen der Naturgesetze möglich ist, muss es machbar sein. Punkt. Alles andere ist Angst, Geschwätz oder Faulheit. Und dann müssen eben andere Leute ran. Spannende These, oder?

Vorab gesagt – wenn uns Normalos mal wieder jemand ein Buch verkaufen möchte mit der Botschaft „Was würde Elon Musk tun?“, dann denke sofort diesen Satz: „Auf jeden Fall nicht dieses Buch kaufen“.

Die Idioten führe ich nicht mit auf, sie sollen in Vergessenheit geraten. Außerdem entbehrt diese Grafik jeder wissenschaftlichen Grundlage. Gern in der ganzen Welt verteilen!
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10 Dinge, die gestresste Führungskräfte jetzt aufhören sollten *

Manches ist wirklich wichtig. Alles andere: sein lassen.

Kürzlich bezog ich mich auf einen großartigen TED-Vortrag über Strategic Quitting (https://youtu.be/QLuqXctU_IQ) und vielen gefiel es. Hier ist ein Artikel über „Practical Quitting“ 😉

Lasst uns doch die aktuelle Krise als Chance nutzen. Lasst uns Dinge loswerden, die nicht helfen, die Zeit verschwenden und die zu viel Aufmerksamkeit fressen. Nicht nur strategisch, auf hohem Level, auch im Detail. Um Luft zu schaffen für Dinge, die wirklich wichtig und / oder dringend sind.

A-D wird oft thematisiert, aber was ist mit E?
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Führung ist zunehmend auch Moderation. Hier Tipps gegen Anfängerfehler ;) Teil 1: Neutral ist nicht ‚leblos‘

Moderatoren, Führungskräfte, Beraterinnen, ChangemanagerInnen – Formate mit partizipativen Elementen nehmen zu. Immer öfter sollen alle was zu allem sagen. Und immer öfter soll die FK selbst moderieren, oder ein Teammitglied.

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Wie produziert man Führungskräfte?

Eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit kann vor allem eines: weitere Führungskräfte produzieren. Heute trage ich zusammen, was die aktuelle Forschung dazu sagt und was du tun kannst, wenn die Lage bei dir bereits verfahren ist.

90% werden sagen: ist doch banal! 10% werden es im Alltag wirklich hinbekommen. So ist es doch mit den meisten einfach richtigen Dingen.

Wenn du eine Führungskraft bist und dein Team ist ein ganz netter Haufen, aber es gibt darunter keine Leader, dann wirst du schnell sehr allein sein:

  • Du wirst viele Entscheidungen selber treffen müssen (Chef, was soll ich tun?)
  • du wirst den Respekt vor deinem Team verlieren (Sind denn alle außer mir unfähig, feige oder faul?)
  • du wirst komplizierte Regelwerke aufstellen (Wir brauchen Leitplanken)
  • du wirst das Gefühl haben, alle Brände selbst löschen zu müssen (Immer wenn’s hart wird, schauen alle auf mich)
  • du wirst mit einem Team von Sachbearbeitern vielleicht eine Menge Sachen bearbeitet bekommen, aber nichts verändern können (Um effizienter zu sein, bräuchten wir das neue System. Um das einzuführen, müssten wir wochenlang die Arbeit pausieren, aber das geht doch nicht! Wir sind verloren!)

Und nun?

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