Etwas erreichen, ohne ‚though‘ zu sein

Ich bin kein tougher Verhandler. Auf dem Flohmarkt tut es mir körperlich weh, Preise runter zu handeln. Aber ich finde, ich habe bisher auch mit meiner sanften Art alles erreicht, was ich bis hierher erreichen wollte. Entweder ich hatte viel Glück (Sonntagskind), oder ich kann ein bisschen was. Ich muss dazu sagen, dass ich mit meinen 43 Jahren nun kein Topmanager geworden bin, also mime ich hier nicht den „Wie werde ich erfolgreich Guru“, sondern ich habe über die Feiertage einfach mal gegrübelt, warum ich für mein Dafürhalten recht gut durchs Leben komme, ohne ein tougher Typ zu sein. Wenn auch Du kein tougher Typ bist, hoffe ich das hier was Nützliches dabei ist.

Hier, was ich oft tue, wenn ich etwas möchte:

Auch sanfte Wesen können viel bewegen.
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Pragmatische kurze Kennenlern-Methode

In Remotezeiten ist Onboarding und Kennenlernen jenseits des Fachlichen super wichtig. Da muss momentan unbedingt extra Zeit und Energie für aufgewendet werden. Es kann nicht sein, dass jemand sagt: ich bin seit 1 Jahr in der Abteilung aber ich kenne eigentlich niemanden.

Manche Kennenlern-Methoden in Workshops und Teammeetings wirken leider etwas „gezwungen“, für manchen vielleicht auch zu verspielt. Hier eine Mini Methode, die immer funktioniert und nur 3 Minuten braucht. Man kann sie nämlich sehr kurz halten mit dem Hinweis, sie an anderer Stelle weiterzumachen (Pause, nächstes Meeting o.Ä.). Wenn ihr mehr Zeit habt, lasst die Session einfach länger laufen!

So geht’s: ein Mensch erzählt einfach mal drauf los. Egal was. Alle anderen „connecten“ dann wo sie möchten. Auf die Art, die ihnen grade zusagt.

Das Bild beschreibt es bereits. Eine Person legt vor. Man erzählt 1-2 Minuten drauflos über sich. Als Person, fachlich, privat, überfachlich, … alles was einem gerade relevant, spannend, lustig oder hilfreich erscheint. Es werden dabei so 3-10 Punkte zusammenkommen.

Nun kann jeder aus dem Kreis „connecten“. Nach freier Reihenfolge kann jeder einen Punkt kommentieren, aufgreifen, eigene Themen beisteuern, Fragen stellen, etc. 1-2 Connections reichen. Dann ist jemand anderes dran. Wichtig: alles ist erlaubt, was einem durch den Kopf geht. Macht was draus!

Und so entsteht eine Kette von Connections. Meist endet es in einer wuseligen Diskussion, oder einzelne Grüppchen diskutieren plötzlich Themen angeregt weiter. Hier macht der Moderator einen Cut und sagt, prima, dass ihr so angeregt diskutiert, setzt es dann nachher in der Pause fort. Oder man verweist aufs nächste Meeting, wo die Methode gern nochmal aktiviert wird.

Ihr werdet sehen, in der Pause werden manche ihr Barsch-Angelhobby, den Kranführerschein oder gemeinsame ehemalige Chefs weiterdiskutieren.

Abwandlung: die Methode geht auch für fachlichere Diskussionen! Angelehnt an Dynamic Facilitation (habe ich auch mal was zu geschrieben hier), kann man eine Person mit einer Einschätzung zu einem Thema starten lassen und dann reihum in Loser Reihenfolge „Connections“ sammeln, bis das Wichtigste zum Thema gesagt wurde.

Have fun!

Serie: Denkfehler im Job #10: Pävalenzfehler

Auch Base Rate Fallacy

„Es regnet, also wars die Ente!“

Es regnet, also wars die Ente! Auf diese Schlussfolgerung käme doch kein Mensch. Ist ja statistisch auch völlig plemplem.

Wenn man sich nicht bemüht, die tatsächliche statistische Wahrscheinlichkeit von etwas zu ermitteln, sondern stattdessen auf den GMV (gesunden Menschenverstand) vertraut, dann baut man seine Einschätzung meist auf irreführende Stereotype. Was das für Dein Leben, und vor allem berufliche Entscheidungen bedeutet, darum geht es heute.

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Regeln, die es gar nicht gibt: Klare Kommunikation am Beispiel eines Rätsels

Das Briefing: „Berühre alle 9 Kreise mit maximal 4 geraden Strichen, ohne abzusetzen“.

Kommunikation ist King. In einer Welt der Wissensarbeit, des Innovationsdrucks, steigender Diversität und agilerer Zusammenarbeit ist es essentiell, dass wir effektiv miteinander kommunizieren. Und wer in Beruf oder Studium etwas über effektive Kommunikation gelernt hat (meist Modelle mit Ohren und Augen 😄), wird wahrscheinlich eingebläut bekommen haben, dass immer der Absender an allen Kommunikationspannen Schuld ist. Das stimmt nicht. Auch der Empfänger kann sich mal ordentlich an die Nase fassen. Darum geht es heute – in Gestalt eines beliebten Kinderrätsels. Viel Spaß!

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Serie: Denkfehler im Job #9: Omission Bias

Omission Bias

„Etwas Böses tun belastet mehr, als etwas noch viel Böseres zuzulassen“

Wenn man dich zwingt, zu wählen zwischen einer Entscheidung, die garantiert direkte negative Folgen für jemanden hat und einer Alternative, die nur vielleicht oder nur indirekt negative Folgen hat, wählst du in der Regel Option 2. Sogar unsere Gesetze bestrafen aktive Schädigungen deutlich stärker als wenn die gleichen Schäden durch Unterlassung entstehen. Dein Gehirn, oder dein Gewissen, kommt nunmal besser damit klar, etwas nicht verhindert zu haben, als es klipp und klar selbst verantwortet zu haben. Doch ist es so einfach? Und was bedeutet der Omission Bias für das Berufsleben?

Was ist zu bewerten: die Tat oder das Ergebnis?
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Psychologische Sicherheit. Psychologische Sicherheit. Psychologische Sicherheit.

Psychologische Sicherheit ist sicherlich wichtig, aber nicht alles. Es gibt auch noch andere Faktoren, die die Teameffektivitiät beeinflussen.

Wer googelt, weiß: die ersten Treffer erhalten viel Beachtung, die folgenden Treffer hingegen werden schnell ignoriert. Meistens ist das ziemlich schade. Witzig ist: Das gleiche Phänomen beobachtet man auch bei den Moden, was über die Arbeitswelt so geschrieben wird. In den letzten Jahren hat sich Google von einer Suchmaschinenfirma zu einer Quelle der Weisheit für alles und jedes gemausert. „Das macht Google so“ ist immer noch ein Top-Qualitätskriterium für Raumgestaltung, Bewerbungsgespräche oder Zusammenarbeit. „Google sagt“ nämlich zum Beispiel, Psychologische Sicherheit (PS) sei das wichtigste Kriterium für effektive Teams. Und da stürzen sich jetzt viele drauf. Google wird´s wissen. Aha. Ok. Heute geht es darum, was PS sein soll – und darum, welche anderen wichtigen Erfolgsfaktoren für Teamarbeit im Hype um die Psychologische Sicherheit leider auf den Plätzen 2, 3, 4… ziemlich unbeachtet versauern.

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Warum auf lange Sicht Entscheiden wichtiger ist als Recht haben zu wollen

Odin, der komplexeste nordische Gott, verlor ein Auge. Das war kein Makel, es war eine Investition

Ich habe so gern Recht. Ich habe fast immer Recht. Ich würde mich geradezu als perfekt bezeichnen, wäre da nicht meine umwerfende Bescheidenheit :-).  Ja, es ist kein einfaches Leben, wenn man immer Recht hat. Die Mitmenschen haben nämlich andere Meinungen, und die sind dann ja naturgemäß falsch. Das strengt an. Und es macht einsam. Doch ich spüre, wie ich mich in den letzten Jahren verändere: Ich werde unperfekt. Ich mache Fehler. Und das ist ganz hervorragend. Im Prinzip noch perfekter als vorher 🙂 Warum?

In den nordischen Sagen hat Gottvater Odin es nicht ausgehalten, die Zukunft nicht zu sehen. Also opferte er ein Auge, im Gegenzug konnte er ein wenig hellsehen. Das hat zwar auch nie so richtig geklappt, aber es hatte schon was. Odin gab einen guten Teil seiner Perfektion auf. Dafür bekam er was. Perfektion wird von vielen oft im Sinne von „Makellosigkeit“ gebraucht. Die Lateiner verstanden unter perfectio aber etwas anderes, nämlich „Vollendung“. Und um diesen feinen Unterschied soll es heute gehen.

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Auslastung in den Griff kriegen – ganzheitlich

Ich höre von Führungskräften immer wieder: Mein Team ist völlig überlastet. Dabei ist es zumindest in der Theorie doch so einfach, die Auslastung in den Griff zu kriegen. Darum wird es heute gehen. Vor allem werde ich über die Verwendung von Kapazität in etwas größeren Organisationseinheiten sprechen, aber die Logik gilt auch für kleine Teams oder sogar einzelne Personen. Mir ist bewusst, dass ich hier nur theoretisch überlege und die Realität immer viel verzwickter ist. Ich hoffe, dass ist Euch auch bewusst und ihr schreibt mir keine Hasskommentare, sondern nehmt den einen oder anderen nützlichen Gedanken mit.

Dem Pinguin ist es prinzipiell egal, wie groß der Eisberg UNTER Wasser ist. Klare Prio auf dem Teil ÜBER Wasser!
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Der Pool auf dem Kreuzfahrtdeck

Neulich beschrieb ein Mensch in einem Workshop die Lage so: „unser Team ist wie ein Spielzeugboot in so einem Pool auf einem Kreuzfahrtschiff. Wir selbst können Gas geben so viel wir wollen. Das Gesamtsystem beschleunigt sich dadurch nicht. Wir prallen höchstens gegen die Poolwand“. Ich fragte: „Und dann?“ „Dann gehen wir entweder kaputt, oder wir drehen uns bei voller Fahrt im Kreis“. Das passiert, wenn Du dein Unternehmen streng nach Fachabteilungen abtrennst.

„Ick mach hier nur Kartoffeln“, sagte der Koch auf der Titanic „Abteilung Rudern sind die andern“

Es ist wie mit dem Rauchen und dem zu wenig schlafen – jeder weiß es ist nicht gut, doch machen wir es weiterhin: Unternehmen streng nach Abteilungen abteilen. Und wundern sich dann, wenn anstatt einer schneidigen Organisation ein tumbes Frankensteinmonster umhertorkelt.

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