Serie Denkfehler #7: Empathy Gap

„Gechillte Leute haben keine Ahnung, wie es wütenden Leuten grade ergeht – und andersherum“

Wir sind mies darin, vorherzusagen, wie wir in einer ganz anderen Situation empfinden WÜRDEN. Sind wir zum Beispiel gerade sehr wütend, können wir uns nicht präzise ausmalen, wie wir fühlen, denken und handeln würden, sobald wir uns wieder abgeregt haben. Was heißt das fürs Berufsleben und was kann man tun?

Empathie heißt in den anderen einfühlen, da muss man sich meist erstmal aus sich RAUSfühlen

In erster Linie bedeutet der Empathy Gap, dass wir andere Menschen nicht gut nachempfinden können, wenn diese in einer ganz anderen Gemütsverfassung sind. Jeder kennt Situationen, wo ein brutalst empörter Mensch uns grotesk vorkommt. Das verzerrte Gesicht, die aufgerissenen Augen, das Gefuchtel… der hat sie nicht mehr alle. Denken wir. Aber nur, wenn wir gerade tiefenentspannt sind. Doch was, wenn wir ähnlich empört sind? Dann käme uns natürlich derjenige komplett bescheuert vor, der uns nicht ernst nimmt und einfach nur dumm und ignorant daherglotzt.

Das Unvermögen den Gefühlszustand, in dem man selbst NICHT ist, nachzuvollziehen, führt nicht nur zu mangelndem Verständnis. Es führt auch zu sehr unterschiedlichen Entscheidungsverhalten. Und dann unterstellt man dem anderen sonstwas – Bösartigkeit, Ignoranz, Deppentum, … aus dem eigenen Unvermögen heraus, ihn zu verstehen.

Dieses Phänomen gilt aber auch für uns selbst bei unseren eigenen Gefühlen und Entscheidungen. Wir können uns zwar erinnern an unterschiedliche Situationen im Leben, in denen wir unter Entspannung, Angst, Freude etc. sehr unterschiedlich empfunden, bewertet und entschieden haben. Aber wir sind kaum in der Lage, zu fühlen, wie wir fühlten, als wir uns GANZ ANDERS fühlten.

Ähnliches lässt sich beobachten für Schmerz. Menschen, die unter Schmerz Entscheidungen treffen oder Aussagen machen, konnten sich dies im schmerzfreien Zustand nicht vorstellen.

Business Beispiel:

Fred ist gechillt. Es läuft grad. Da kommt Ted ins Büro. Er ist tierisch aufgeregt. Fred findet Teds Ausstrahlung ab Sekunde zwei bereits nervig. „Warum son Alarm?“ Ted erzählt von einer Fehlentscheidung, die er im Stress gemacht hat. Fred will beruhigen und sagt „mach dir nichts draus, reg dich ab und begrenze den Schaden“. Ted regt sich aber noch mehr auf: „Das wird meinen Job kosten“. „Wird es nicht, chill doch erstmal“. „Fred, verdammt. Du checkst es nicht!“ Schon ist der Streit entbrannt. Aufgrund mangelnder Empathie.

Was kann man tun?

Erlaube dir, Stimmungswechsel ein wenig auszuleben wenn Dir danach ist. Gewinne Routine darin, aus mehreren Stimmungen heraus die Welt zu sehen. Und reflektiere, was dich alles schon emotional geritten hat im Leben. Sammle Erfahrungen, was dir aus den Situationen herausgeholfen hat. Genau das braucht dein Gegenüber auch.

Vermeide, in einer wichtigen Situation plötzlich aufgrund unvorhergesehener Aufregung ganz untypische Entscheidungen zu treffen. Nimm Partner mit, lass dir Zeit, überlege vor dem Gespräch oder der Verhandlung bereits genau, was du erreichen willst.