Moderierende Führung: Moderations-Methoden sind nur Hilfestellungen. Es geht eigentlich auch ohne!

Nach einigen Jahren als Moderator fiel mir auf (ja, ich habe eine lange Leitung), dass Workshop-Methoden in der Regel alle dasselbe tun:

  • Aktivieren
  • Fokussieren
  • Sortieren

Egal, ob eine SWOT, ein Value Proposition Canvas oder die 4L-Retro: Es geht immer darum, die Teilnehmer

  • zum Mitmachen einzuladen
  • sie auf bestimmte Fragestellungen hinzulenken
  • die aufkommenden Inputs zu ordnen

Nun plädiere ich ja bekannterweise für eine stark moderierende Führung. Ich halte es für sehr nützlich, wenn Du als FK auch im Führungsalltag permanent aktivierst, fokussierst und ordnest.

Doch in den letzten Jahren beobachte ich eine wahre Methodenflut. Diese kommt unter anderem aus dem Systemischen Umfeld, aus der Agilen Welt, aus der New Work Ecke und auch von den Service Designern und von vielen anderen. Teils erfinden wir Moderatoren (oder neudeutsch Facilitatoren, „Strategic Designer“, oder „Irgendwas-Master“) auch einfach neue Methoden, weil uns die alten langweilig erscheinen. Das kann manchen überfordern. Wofür welche Methode?

Mittlerweile wird ja alles in Korsetts gepresst: Meetings, Kennenlernprozesse, Kommunikationssituationen, Begrüßungen, alltäglicher Umgang, Arbeitsgruppen… Wo man sich Jahrtausende lang „mal zusammengesetzt“ hat, oder „mit ner Tasse Kaffee ins Büro geschneit“ ist, oder „eine Tabelle ausgefüllt und zurückgeschickt hat“, gibt es heute Millionen kleiner Methödchen, die man anwenden könnte. Und nicht wenige haben den Eindruck, diese auch alle ständig anwenden zu müssen.

Beispiele: Liberating Structures für Arbeitstreffen, Check-In-Methödchen vor jedem Meeting, krass durchgestylte Team-Abende statt sich zwanglos kennen zu lernen, oder Retroformate fürs gemeinsame Zurückblicken im Team.

Diese und viele andere Methoden(Bibliotheken) sind für sich genommen alle ok, ich nutze sie selbst oft. Es ist auch unbestreitbar so, dass eine Retro umso wahrscheinlicher auch tatsächlich gemacht wird, je vielversprechender der Methodenbaukasten aussieht. Methoden geben auch Halt, sie sagen dir als FK: Ich bin eine erprobte Methode, wende mich an, das wird schon! Eine Sorge weniger…

Aber lasst Euch als FK auf der anderen Seite auch nicht vom Überangebot irgendwelcher Methödchen verunsichern. Es gibt einfach viel zu viel am Markt. Keiner kann mehr den Überblick behalten. Geschweige denn alles ausprobieren und bewerten. Es wird auch Neues veröffentlicht, was das Zeug hält, ohne dass eine Chance auf Erprobung der Methoden bestünde. Da gibt es Senior Strategic Designer mit 26 Jahren, die ganze Best-Of Kompendien publizieren. Ja klar.

Ich könnte jeden Tag 3 neue Methoden erfinden, die mal mehr mal weniger fancy daher kommen. Aber am Ende alle auch nichts Anderes tun als:

  • aktivieren
  • fokussieren
  • und sortieren

Was wirklich zählt, ist, dass Du als FK diese drei Dinge überhaupt permanent tust.

Ich schätze, mit den folgenden, wenigen Ansätzen kommt eine normale FK schon gut durchs Leben, sie enthalten alle mehr oder weniger AKTIVIEREN, FOKUSSIEREN + SORTIEREN:

  1. bespreche regelmäßig das große Ganze und den Sinn dahinter (erstmal egal, ob Du das Mission, Vision, Strategie, Big Picture, O+KR, Roadmap oder Langfristziele nennst)
  2. mache regelmäßig Retrospektiven (erstmal egal mit welcher Methode, er würde schon was bringen, alle 4 Wochen zu fragen: Wie läuft es bei uns?)
  3. sorge dafür, dass in Gesprächen alle gehört werden und alle etwas beitragen können (egal ob du das 1-2-4-All, TRIZ oder Schweigefuchs nennst)
  4. bleib fachlich am Ball, Du musst einschätzen können und auch herausfordern, um Wachstum anzuregen
  5. lass das Team und die einzelnen Leute machen. Wo immer es geht.

Und viele FK machen nicht mal diese paar Dinge regelmäßig. Sie helfen beim:

  • Aktivieren (Begeistern, Auffordern, Provozieren, Informieren, Dringlichkeit klar machen, Ideen geben, vorleben, …)
  • Fokussieren (Konzentration fördern, Rahmen setzen, Timeboxing, Reihenfolge festlegen, Agendasetting, …)
  • Sortieren (Clustern, White Spots aufdecken, Muster erkennen, Prios festlegen, nächste Schritte herausarbeiten, …)

Wer diese drei Dinge beherzigt und auf intensive, ehrlich interessierte und leidenschaftlich engagierte Art macht, wird auf pragmatische Weise ganz viel erreichen können – ohne komplizierte Methoden.

Wer allerdings Bock auf Methoden hat, kann herrlich viele abwechselnde Methoden nach Herzenslust durchprobieren, verzettel Dich nur nicht! 😉 Hier ein paar Links, zu dokumentarischen Zwecken. Solcherlei Sammlungen gibt es zuhauf:

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