In der Politik beäugen Journalisten Kippunkte, die Demokratien in Diktaturen kippen lassen. Die Klimadebatte macht Angst vor diversen Points of no Return. Die Wirtschaft kippt, die Rente kippt, die Ostsee kippt, die Stimmung kippt. In den meisten Fällen ist der drohende Kipppunkt wie ein Berg, vor dem wir Ochsen stehen. Oft gebug lähmt uns das aber anstatt uns zu motivieren. Und wenn wir erstmal glauben, das Kind sei im Brunnen, werden wir fatalistisch: „das ist eh nicht mehr aufzuhalten“. Unumkehrbarkeit aber in den allermeisten Fällen eine Illusion. Ein lähmendes Schreckgespenst. Es ist fast immer etwas möglich. Man muss aber ganz andere Geschütze auffahren. Falls Du auf einen vermeintlichen Kippunkt zusteuerst, hier ein paar Ideen.
– Du hast dagegen protestiert, aber keiner hört auf Dich? Werde lauter! Oder leiser, oder hör mal ne Weile ganz auf. Auch plötzliche Stille kann aufrütteln.
– Ihr seid mehrere, die dem Unheil trotzen, aber es ist übermächtig? Du könntest mal ganz andere Verbündete finden, vielleicht sind deine bisher zu schwach oder gar kontraproduktiv?
– dmDu arbeitest dich am Problem ab aber es scheint nachwachsende Köpfe zu haben? Finde andere Gegner, warum zum Beispiel nicht mit Gebrüll gleich auf den Endboss stürzen?
– Stell auf den Kopf, wie du bisher arbeitest, welche Tools du nutzt, wie du kommunizierst oder analysierst. Wer GAR kein Teil des Problems ist, ist wahrscheinlich auch kein Teil der Lösung.
– Lass das Alte komplett gegen die Wand fahren und mach was Neues. Das Universum ist angeblich auch aus einem Big Bang entstanden. Was Neues macht man dann aber nicht nach Blueprint (und nicht mit den bisherigen Personen)
– Erforsche sachlich gemeinsam mit deinen größten Kritikern die Mechanik und Datenlage des Problems nach Veränderungshebeln. Hab doch mal Bock, zu challengen ob du richtig liegst
– Umarme die vermeintliche Katastrophe und stelle dich proaktiv auf die neue Realität ein. Niemand zwingt dich, die Zukunft doof zu finden!
– Du könntest dich vielleicht auch viel viel viel mehr anstrengen als bisher. Kein Kommentar
– Guck bei Anderen ab. Es gibt Milliarden Schicksale und Heldengeschichten, nicht nur deine!
– Kassiere unrealistisch und unnütz gewordene Ziele ein. Auch wenn sie so schön erreichbar waren. Und ersetze sie durch nützliche Ziele. Auch wenn sie unerreichbar scheinen
– Du könntest auch Dich (Deine Funktion) opfern, damit Andere eine gute Zukunft haben (eine Chance, einen Job, neue Einblicke…). Ja, auch das gibt’s noch, selbst in unserer verweichlichten, individualisierten und egoistischen Gesellschaft
…
Alles ist jedenfalls besser, als verzweifelt auf den drohenden Punkt ohne Widerkehr zu zeigen. Das ist nichts anderes als das Reh im Scheinwerferlicht.
Ich hoffe, dich zu einem klaren Entschluss, einer enormen Anstrengung oder einem brillanten Move inspiriert zu haben?
PS lege einen „Komfortzonen-Fastenmonat“ ein, in dem du alle Leute meidest, die dir sagen, du machst im Wesentlichen alles schon ganz gut, du seist auf einem guten Weg, irgendwas bringe eh nichts oder die dich mit Wohlfühlthemen ablenken wollen.
