Wir erzeugen eine Menge geringwertigen Inhalt, weil LLMs es uns so einfach machen. KI Content wird unsere Kunst, Literatur, Kommunikation etc. mit Einheitsbrei überschwemmen. Man könnte meinen, KI vergrößert nur den Heuhaufen, worin alle nach der Nadel suchen. Doch ist die Slop-Welle wirklich so schlimm? Nein, denn…
.. erstmal ist das ganz normal, dass wir uns gegenseitig mit KI Content niedrigstmöglicher Schöpfungshöhe zuspammen. KI ist faszinierend, sie ist neu, die Menschheit probiert sie aus. War immer so, ist menschliche Natur, ist Zeichen für eine Auseinandersetzung damit. Und Ausprobieren erzeugt halt auch viel Schrott.
Zweitens ist es ein Zeichen dafür, dass da große Chancen auf uns zukommen, die wir aber noch nicht gut zu nutzen wissen. „Was mit KI machen“ klappt schonmal. Aber „WAS mit KI machen?“ Wird jetzt enorm wichtig.
Drittens zeigt uns das, dass wir falsch draufgschauen. Wir sehen den wachsenden Heuhaufen, nicht die überproportional wachsende Anzahl an Nadeln!
Konkretes Bürobeispiel (Heuhaufen): Ingo und Brigitte sind zwei Vollnormalos, sie haben noch nie etwas besonders Geniales geliefert. Und das dafür aber recht langsam. Also Muttelmaß vom Feinsten. Mit KI erzeugen sie jetzt in Windeseile relativ generische, aber passable Inhalte: Mails, Argumentationen, Festreden, Agenden für Teamworkshops… alles recht eloquent formuliert, aber oft auch relativ oberflächlich. Manfred findet das #slop (as Trendwort für oberflächliche, teils falsche, teils sogar abstrus sterotype, glattpolierte oder reißerisch karikierte Inhalte). Er ist neidisch, weil er ein bisschen eloquenter und kreativer ist und bisher immer der Lieferant für schnelle, oberflächliche aber plausibel klingende Schaumschlägerei war. Ja, die beiden vergrößern den Heuhaufen, aber sie machen ihn auch ein bisschen besser.
Wer jetzt in Manfreds Wehgeschrei einstimmt, dass die Menschheit sich gegenseitig mit Slop überschüttet, der begeht eine Ungerechtigkeit und einen Fehler.
Ungerecht ist: derselbe oberflächliche Content, der heute zunehmend moniert wird, wurde bisher von Industrieschauspielern auch ohne KI erzeugt und verbreitet. Jetzt kann das wenigstens jeder. Demokratisierung der Schaumschlägerei. Und letztlich hebt es den Durchschnitt des Niveaus bei schnellerer Lieferung ja an.
Der Fehler: falsche Perspektive! Frage nicht, wie man abstellen kann, dass alle alle mit KI Content überschwemmen – frage, wie ein Chef, Kunde, Konsumenten, Leser, User, Publikum künftig herausfinden kann, was (trotz oder wegen KI) der GUTE Stoff ist. Der ist nämlich weiterhin da draußen, jetzt vielleicht in einem Slop-Heuhaufen versteckt, dafür sind es mehr Nadeln und noch wertvollere!
Bürobeispiel 2 (Nadel): Guido, ein umtriebiger Machertyp, pragmatisch und zielstrebig, hat die Schnauze voll davon, dass der Reisekostenprozess so lame ist und programmiert ihn mit Low Code einfach selbst. Dafür nutzt er auch LLMs, Bilderstellungstools etc. ganz unpretentiös. Er ist nach ein paar Tagen fertig. Der EDV Leiter tobt. So ein Mist, jeder programmiert jetzt irgendeinen Quatsch (Heuhaufen). Aber: wenn der neue Quick-and-Dirty-Reisekostenprozess funktioniert, ist er eine weitere goldene Nadel. Und der EDV Leiter verkommt zum Gockel auf seinem EDV Haufen.
Bürobeispiel 3 (Heuhaufen): Tim, Christian und Malte erstellen mit KI Unmengen an – wie sie es nennen – Business Cases und Geschäftsentwicklungs-Ideen. Die zusammengesloppten Ideenlisten lassen sie von derselben KI ohne weitere Datengrundlage bewerten nach „Machbarkeit vs Nutzen“ und schicken sie im Wochentakt an alle Manager des Bereichs. Niemand liest je auch nur eine einzige Seite davon.
Bürobeispiel 4 (Nadel): Ein kleines Team von Analysten durchkämmt hunderte Studien nach bestimmten Zusammenhängen. Mit KI inzwischen in wenigen Stunden möglich. Mit guter Datenstruktur und optimierten Prompts, sowie nach wie vor Sachverstand, um die Ergebnisse zu challengen und zu plausibilisieren.
Bürobeispiel 5 (Heuhaufen): Gisela und Bernd wollen das Trainingsbusiness ihrer Firma revolutionieren. Sie kippen alle Trainingsinhalte, Richtlinien, Unternehmensdaten unstrukturiert in eine komplizierte Sharepointstruktur und bauen mit 5 Klicks einen Copilot Pro Agenten, dem sie sagen: guck auf den SharePoint und mach daraus on demand Trainings zu dem Thema, das jemand bei dir anfragt. Klingt faszinierend. Gisela und Bernd ernten Applaus bom Management, sind aber fortan damit beschäftigt, die Beschwerden der Teilnehmer zu bearbeiten, dass die Inhalte vorn und hinten nicht stimmen, die KI manchmal sagt, sie käme gar nicht auf den Sharepointordner, ein andermal gut klingende Ergebnisse liefert, die bei Überprüfung veraltet oder leicht falsch sind.
Es ist doch bei jedem Tool dasselbe: Mittelmäßige Leute machen damit mittelmäßige Dinge, Genies machen damit geniale Dinge. Wie also finden wir in einer Welt mit immer mehr Output künftig die genialen Dinge? Es wäre töricht, zu glauben KI erzeugt einen mega Heuhaufen ohne zusätzliche Nadeln. Genies nutzen längst KI als Nadeldetektor.
